Sonnenschein und 25 Grad, ein herrlicher Spätsommertag. Das ideale Wetter für entspanntes Flanieren im Schwetzinger Schlosspark, in dem sich an diesem Wochenende wieder der jährliche Concours d’Elegance eingefunden hat. Der neue Arbeitstitel der Veranstaltung scheint inzwischen „Classic-Gala Schwetzingen“ zu heißen, aber es ist die altbewährte Schau und Prämierung von klassischen Automobilen, die seit vielen Jahren ein Fixpunkt im jährlichen Veranstaltungskalender für Oldtimerfreunde ist.

Für mich ist es allerdings das erste Mal – und es bewahrheitet sich der Spruch Hermann Hesses: Allem Neuen wohnt ein Zauber inne. Hunderte von auf Hochglanz polierten Klassikern parken, thematisch sortiert, im weitläufigen Parkgelände. Alles wirkt sehr entspannt und stressfrei, im Vergleich zu den Classic Days auf Schloss Dyck gibt es kein Gedränge, und es kommt überhaupt kein Gefühl von hektischer Betriebsamkeit auf. Das Gelände erscheint etwas größer als am Niederrhein zu sein, aber natürlich sind auch deutlich weniger Besucher unterwegs. Den Veranstalter mag das bekümmern, für uns Besucher ist es toll. Man kann direkt in der Nähe parken und muss mit keinem Shuttlebus fahren, am Eingang gibt es keine langen Schlangen und es gibt auch keine Wege oder Eingänge, die zur Optimierung des Besucherstroms gesperrt sind. In aller Seelenruhe kann man die alten Schätzchen bewundern, mit den Besitzern ins Gespräch kommen und sich an den diversen gastronomischen Stationen – ohne langes Anstehen – erfrischen.

Besonders gut vertreten sind britische Fahrzeuge, namentlich Rolls Royce und Bentley, sowie Autos aus den USA. Wer für derartige Angebote ein Faible hat, kommt definitiv voll auf seine Kosten. Etwas weniger gut ist die Auswahl bei französischen und italienischen Fabrikaten, letzteres natürlich zu meinem großen Bedauern. Hier hätte ich mir schon eine Handvoll mehr Alfas, Ferraris und Maseratis gewünscht. Dass auch deutsche Fabrikate in großen Mengen ausgestellt werden, Bedarf sicher keiner besonderen Erwähnung, alleine vom Mercedes /8 Modell ist eine ganze Armada aufgefahren. Und sehr hübsch sind auch die Themenschwerpunkte wie Kleinstwagen, Mikro-Wohnwagen oder Vorkriegsklassiker. Was mir ebenfalls sehr gut gefällt ist das Fehlen jeglicher überkandidelter „Attitude“. Anders als bei Schloss Dyck gibt es hier keine abgesperrten VIP-Bereiche, wo sich nur die vermeintlich Reichen und Schönen tummeln dürfen, auch Champagner-Bar und Austern-Station fehlen. Obwohl hier auch sehr viele hochkarätige und hochpreisige Klassiker ausgestellt sind, wirkt alles gelassen und entspannt, die Juroren schlendern freundlich plaudernd durch die Ausstellung, jeder ist ansprechbar und kommunikationsfreudig. Das mag auch daran liegen, dass Aussteller und Besucher eher lokaler Provenienz zu sein scheinen, was der ganzen Sache aber keinen Abbruch tut. Und natürlich ist es auch „nur“ eine Ausstellung, ein spezielles Programm mit Sonderschauen gibt es ebenso wenig wie eine Rennstrecke, auf der Klassiker in Aktion zu sehen sind.

Den Anspruch einer Classic-Gala erfüllt Schwetzingen aber in hervorragender Weise und ist eine herrliche Kulisse für einen unangestrengten Tag inmitten toller mobiler Exponate. Wer es dagegen laut und wild mag, dem sei der Brazzeltag in Speyer empfohlen, das gefühlte Gegenprogramm zu diesem Concours d’Elegance.

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