Wer sich eine Giulia Quadrifoglio kauft, für den ist das Infotainment-System sicher nicht das Allerwichtigste, den interessieren in erster Linie Beschleunigung, Handling und Straßenlage. Das ist bei mir natürlich auch so.

Trotzdem will ich mal ein wenig ins Detail zu Alfas Infotainment-System gehen, da die Digitalisierung in Autos allgemein deutlich zunimmt und andere Hersteller wie BMW hier starke Akzente setzen. Unter dem Stichwort Connectivity vereinen sie neue Dienste von der Anbindung mobiler Apps über automatische Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern bis zur Integration von sozialen Netzwerken.

Mein erster Eindruck von Alfas neuer Infotainment-Generation, wie sie in der Giulia und im neuen Stelvio verbaut sind, war eher etwas verwirrend. Das Zusammenspiel von Dreh-/Drückknopf und den beiden Tasten für Menu und Optionen ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Es hat eine Weile gedauert, bis ich wirklich verstanden habe, wie das Orchester harmonisch spielt. Und es hat noch eine weitere Weile gedauert, bis ich damit flüssig umgehen konnte. Aber mittlerweile läuft es gut mit uns beiden und ich finde die Bedienung eigentlich recht gut gemacht.

Was mir besonders gut gefällt ist der teilbare Bildschirm, um zwei Infotainment-Dienst wie z.B. Navi und Radio gleichzeitig im Blick zu haben. Auch das Design der Oberfläche ist recht schick und das ganze System ist hübsch und nahtlos in die Konsole eingebettet. Die meisten Funktionen wie Sendersuche, Anbindung externer Datenquellen oder Systemeinstellungen sind intuitiv gestaltet und teilweise mit netten Grafiken unterstützt.

Aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass Alfa Romeo hier noch ziemlich weit hinter dem Angebot anderer Premiumanbieter zurückliegt, mit denen man ja doch konkurrieren will. Also im Einzelnen:

Richtig schwer tue ich mich mit der Navigation. Das Einstellen von Zielen ist noch ganz OK, obwohl auffällt, dass keine Umlaute eingegeben werden können. Das System kennt sie gleichwohl und kann sie auch anzeigen, aber man kann sie eben nicht eingeben. Da muss Köln halt als Koeln gesucht werden, entsprechend länger dauert es bei manchen Zielorten, bis die automatische Erkennung das richtige Objekt in der Vorschlagsliste anzeigt. Aber gut, wir wollen nicht kleinlich sein. Was gar nicht geht: der Drehschalter verändert im Navi-Modus nicht automatisch die Skalierung (Zoom in oder out), wie es z.B. bei Audi der Fall ist. Statt dessen muss man vorher die Option Zoom anwählen und erst dann funktioniert es wie gedacht. Das ist umständlich, gerade wenn es mal schnell gehen soll. Genau so dämlich ist, dass man die Karte nicht einfach mit dem Drehschalter verschieben kann, was bei Audi & Co. eben auch einfach geht. Beim Alfa braucht es wieder eine extra Menu-Option dafür, und wenn man die auswählt, ist der Maßstab immer erst mal auf 300 km gestellt – und man zoomt sich den Wolf, um den eigenen Standort in vernünftigen Proportionen aufs Bild zu bekommen. Naja, wer immer sich das ausgedacht hat…. Schnell mal eben schauen, wie die Straßenführung außerhalb des angezeigten Bildschirms aussieht, geht damit jedenfalls nicht.

Ein anderes Schmankerl im Navigationssystem ist die 3D-Darstellung: Die sieht zwar TomTom-ähnlich aus (das System wurde wohl zusammen mit dem Navi-Hersteller entwickelt), aber man kann den Zoom nur auf ziemlich groß einstellen, so dass man kaum mehr als das nächste Dorf auf der Karte sehen kann. Das disqualifiziert die 3D-Darstellung für mich komplett, damit kann ich in der Praxis nichts anfangen.

Was komplett fehlt ist die Real-Time-Traffic-Information für Staus, was vermutlich damit zu tun hat, dass man weder eine separate SIM-Karte einlegen, noch die seines mobilen Telefons nutzen kann. Die Staumeldungen sind zwar trotzdem recht präzise, aber eben nicht so genau wie mit Real-Time-Traffic, das über die Massen-Ortung von Handydaten funktioniert. Ein anderer Nebeneffekt der Nicht-Integration von extra SIM oder Handy-SIM ist das Fehlen eines WLAN-Hotspots. Ich als Fahrer brauche das nicht wirklich, aber wenn meine Kinder mitfahren, wäre das schon eine sinnvolle Idee, wenn sie einen Hotspot anstatt ihrer Internetflat nutzen könnten.

Was es ebenfalls nicht gibt: Anbindung von mobilen Apps für zusätzliche Dienste. Ich weiß, dass diese Apps nicht immer sauber funktionieren und häufig mehr den Spieltrieb unterstützen als echten Mehrwert bieten. Aber das ist klar die Richtung, in die es zukünftig gehen wird, und wer heute nicht schon die Integration von Smartphones in ersten rudimentären Zügen anbietet, wird sich mit dem Nachrüsten schwerer tun. Natürlich wird das Smartphone als solches über Bluetooth erkannt und für Telefonie angebunden. Aber es reicht z.B. schon nicht mehr dafür, um SMS lesen oder Kalendereinträge sehen zu können.

Etwas völlig Abgedrehtes ist die „App“ Efficient Drive, warum auch immer Alfa das als App bezeichnet, denn es ist einfach nur ein fest installiertes Programm als Teil des Infotainment-Systems, das nichts mit einer mobilen App auf dem Smartphone zu tun hat. Dieses Programm zeigt irgendwelche Parameter für Bremsen, Schalten und Beschleunigen, aber ich habe keine Ahnung, was genau das sein soll. Und das Handbuch, weder das gedruckte noch das online verfügbare, gibt darüber keine Auskunft. Vielleicht sollte ich mal in Italien anrufen und nachfragen?

Die Sprachsteuerung ist auch „Modell ältere Genration“, bei der man mit Signalwörtern arbeiten muss, während unser Porsche schon längst fast uneingeschränkt freie Sprache unterstützt. Man kann im Alfa damit schon zurechtkommen, aber es ist etwas umständlich, und da ich sowieso kein so ganz großer Freund von Sprachbefehlen bin, verkneife ich mir das einfach.

Das Display selbst ist kein Touch-Screen. Das alleine ist heute schon State-of-the-Art in der gehobenen Klasse. Man muss es ja nicht gleich so übertreiben wie beim neuen 5er BMW, wo man sich auf einem Riesenbildschirm die Finger blutig wischen kann. Ich bin ein großer Freund des Understatements, und so ein dezenter 8-Zoll-Bildschirm wie im Cayenne als Touch-Screen ist einfach perfekt. Da geht alles schnell und präzise in einem Bruchteil der Zeit, die ich in der Giulia mit den Knöpfen und dem Drehschalter brauche.

So, fassen wir also zusammen: Die Giulia Quadrifoglio hat 510 PS, 600 Newtonmeter und beschleunigt 0-100 km/h in 3,9 Sekunden. Mehr braucht ein tolles Auto nicht.

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