Frankfurter Flughafen, 8. April gegen Mittag. Nach stressfreier Anfahrt, Bagage Drop-off und  Passkontrolle stehen wir rechtzeitig am Gate, bereit für den zweiwöchigen Familienausflug nach Kanada. Wir, das sind meine beste Ehefrau von allen und unsere wunderbaren 3 Töchter.

Der Plan:

Mit Lufthansa nach Philadelphia und von dort 2,5 Stunden später mit Air Canada nach Montreal. Ankunft in Kanada um 20:15 Uhr Ortszeit, also viertel nach 2 Uhr Nachts deutscher Zeit. Aber wir haben ja Urlaub, also alles easy und kein Problem.

Die Realität:

Wir sitzen im Flugzeug und lauschen erstaunt der Ansage des Kapitäns, dass der Abflug sich leider um eine Stunde verzögern werde. Angeblich will man aber eine andere Route fliegen, um so die verlorene Zeit möglichst wieder ganz herein zu holen, also kein Problem für Anschlussflüge. Ich versuche mir vorzustellen, wie wohl die Route aussehen muss, mit der man eine Stunde Zeit einsparen kann – und vor allem frage ich mich, weshalb man nicht immer sowieso die kürzeste Route fliegt. Es will mir nicht recht einleuchten, aber ich bin ja kein Luftfahrtexperte und versuche darum, der ganzen Sache Glauben zu schenken.

Wir fliegen dann tatsächlich eine Stunde später los – und landen exakt eine Stunde verspätet in Philadelphia. Soviel dazu…. Bei einem Umstieg in den USA braucht man, genau wie für eine normale Einreise, ein sogenanntes ETA, was eine Art Visa-Ersatz ist und das wir uns bereits rechtzeitig vorher im Internet besorgt haben. Mit diesem ETA müssen wir also wie jeder USA-Tourist durch die Immigration, dann unsere Koffer vom Fließband abholen, diese durch die Zollkontrolle bringen und anschließend wieder auf ein speziell dafür vorgesehenes Band zur weiteren Beförderung nach Montreal stellen. Warum diese ganze Prozedur sein muss, kann ich wirklich nicht verstehen, aber da uns niemand die Wahl lässt, machen wir also genau das.

Durch die Immigration kommen wir relativ problemlos. Unsere ETA Dokumente scheinen OK und auch unser Gepäck kommt nach vertretbarer Zeit an. Allerdings wird es von emsigen Flughafen-Mitarbeitern schon mal vorsorglich vor unserem Erscheinen vom Band genommen und zur Seite gestellt, wo wir es erst nach einer gewissen Zeit suchen und finden, als es eben nicht auf dem Gepäckband auftaucht. Wir kennen diese Praxis von früheren USA-Reisen, also alles cool, wir sind ja Weltenbürger.

Langsam wird die Zeit für den Weiterflug nach Kanada etwas knapp. Also versuchen wir, zielstrebig mit unserem Gepäck durch den Zoll zu huschen, was auch wunderbar geklappt hätte – wenn da nicht dieser kleine süße Hund gewesen wäre, der an der Leine einer weniger süßen jungen Frau hing und sich auf das Handgepäck meiner ältesten Tochter stürzte. Ich dachte zunächst, es wäre ein Drogenhund auf Abwegen, aber weit gefehlt. Nachdem meine Tochter ihre Handtasche ausräumen musste, hebt die Zollbeamtin mit triumphierendem Blick den darin gefundenen Apfel und das halbe Avocado-Bagel hoch und erklärt uns in unverständlichem Englisch, dass es sich dabei um einen Agrarimport handeln würde. Unverständlich ist ihr Englisch nicht wegen des amerikanischen Akzents, sondern weil sie einen stark ausgeprägten Sprachfehler hat, eine Kombination aus Lispeln und Verschlucken jedes zweiten Buchstabens. Insofern können wir nur mit sehr viel Mühe überhaupt verstehen, was sie von uns will, aber es erscheint mir in der gegebenen Situation auch keine gute Option, sie zur klaren Aussprache aufzufordern.

Kurzum: Jegliches Lebensmittel in Gepäck oder Handgepäck gilt in den USA als Agrarimport, egal ob es eine Tonne Spargel oder ein Apfel aus der Bordverpflegung ist. Und damit muss der Reisende dann zu einer speziellen Agraruntersuchungsabteilung des Zolls, wo dann alles genau untersucht und begutachtet wird. Die Idee, den Apfel einfach aufzuessen oder wegzuschmeißen quittiert die Hundedame mit einem derartig verständnislosen Blick, als hätten wir ihr die Visitenkarte eines Logopäden augenzwinkernd zugesteckt. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mit Sack und Pack zur Agraruntersuchungsabteilung zu gehen, wo dann nach quälend langen Minuten endlich ein überaus gelangweilter aber sorgfältiger Beamter Apfel und Bagel entgegennimmt und – nachdem das richtige Formular ausgefüllt und abgestempelt worden ist – in den speziell dafür vorgesehenen Mülleimer wirft. Ich verstehe langsam, wo Donald Trump seine Wählerschaft rekrutiert…

Keine halbe Stunde vor dem Abflug nach Montreal sind wir damit also durch. Mit großen Schritten zerren wir unsere Koffer zum Gepäckband für Weiterflüge, auf das ich alle fünf Gepäckstücke eigenhändig stelle in der Hoffnung, dass wir uns zwei Stunden später alle in Montreal wieder sehen mögen. Da die Zeit jetzt echt knapp wird, beschließen wir zu unserem Gate zu rennen, zumal dieses genau am anderen Ende des unverschämt langen Flughafens liegt. Völlig abgehetzt und schweißgebadet kommen wir dort an, nachdem wir bereits mehrfach ausgerufen wurden – wenige Minuten bevor das Gate schließt. Unsere drei Kinder und ich gehen voran und steigen schon mal in die winzig kleine Maschine ein, währen meine Frau „mal eben kurz eine Frage“ mit der Dame an der Abfertigung klären soll.  Wie sich herausstellt, stimmen das „ß“ (scharfe S) in ihrem Nachnamen, das so im Pass steht, nicht mit den Doppel-S auf dem ETA-Formular überein. Da man im Internet kein scharfes ß für das ETA-Formular auswählen konnte, hat meine Frau es kurzerhand mit zwei normalen S ersetzt, eine sonst gängige Praxis. Nicht so für die kanadische Immigrationsbehörde. Selbst nach langwierigen Telefonaten des Bodenpersonals mit irgendwelchen geheimnisvollen Behörden ließ sich nicht eindeutig klären, ob meine Frau ein gültiges ETA besitzt und einreisen darf oder nicht. Aber da der Abflug ohnehin schon verspätet ist, lässt man die Sache am Ende gut sein und meine Frau kann einsteigen. Ich wollte immer schon mal einen Flug um 30 Minuten verzögern und mich an den vorwurfsvollen Blicken der anderen Mitreisenden erfreuen.

Nach Landung in Montreal stellen wir uns auch hier brav in die Schlange an der Immigration an. Als wir an der Reihe sind, höre ich den Beamten zu meiner Frau sagen: „Irgendetwas stimmt mit ihrem ETA-Dokument nicht.“ Ein leichter Schleier setzt sich vor meine Augen, aber das liegt bestimmt an der Müdigkeit, es ist ja schon 3 Uhr Nachts in Deutschland. Nach nur 30 Minuten, die wir am Schalter sinnlos herumstehen, kommt der gute Mensch wieder zurück und teilt uns – immerhin entschuldigend –  mit, dass nun alles klar sei und man solche Probleme schon öfters mal habe. Ich frage mich dabei, wie das mit arabischen oder chinesischen ETA-Formularen und Pässen funktioniert.

Wir sind total erschöpft aber wirklich erleichtert, dass wir es endlich geschafft haben und am Gepäckband stehen. Auf dem sich auch tatsächlich vier unserer fünf Koffer einfinden. Meiner bleibt leider verschollen. Ich habe keine Ahnung, wie das sein kann, da ja alle Koffer nacheinander auf das gleiche Gepäckband in Philadelphia kamen und das gleiche Etikett für den Zielflughafen Montreal trugen. Aber es hilft nichts. Nicht da ist nicht da, egal warum. Also gehe ich zum Bagage Check Schalter und fülle gemeinsam mit dem freundlichen Air Canada Mitarbeiter ein langes Formular aus. Dieses muss ich anschließend eigenhändig wieder zur Immigration bringen und dort abstempeln lassen. Es will ja alles seine Ordnung haben, auch um 3:30 Uhr morgens. Mir wird erklärt, dass der Koffer am nächsten Tag mit dem gleichen Flug nachgeschickt würde, da es leider vorher keinen gäbe.

Zeitsprung: Taxi zum Hotel, dort Schlüssel tatsächlich erhalten und Zimmer reserviert vorgefunden. Nicht ganz wie und wo gebucht, aber man wird nach so einer Reise-Tortur gütig und barmherzig. Am nächsten Abend sitze ich voller Erwartung im Hotelzimmer und ersehne ab 21 Uhr die Ankunft meines Koffers. Als bis 22:30 Uhr nichts passiert, beschließe ich ins Bett zu gehen. Um dann um 5:30 Uhr morgens aus dem selbigen geklingelt zu werden mit der freudigen Botschaft, dass der Kurierbote mit meinem Koffer vor der Hoteltüre stehe, die nachts nicht besetzt ist. Also haste ich im tagsüber schnell besorgten Schlafanzug zum Empfang, reiße die Türe auf und halte endlich überglücklich meinen Koffer in der Hand.

Aber das hier ist ja ein Autoblog, also kommen wir zum Thema: Nach 3 Tagen in Montreal haben wir bei Hertz einen großen Van für unsere weitere Reise gebucht. Als wir im Hertz-Büro im Herzen der Stadt aufschlagen, versucht man uns zunächst die obligatorischen idiotischen und sinnfreien Zusatzversicherungen zu verkaufen. Als wir das alles kategorisch ablehnen und kurz darauf endlich unser Auto (es ist eigentlich ein Dodge Grand Caravan und nur bedingt ein echtes Auto – aber davon an anderer Stelle mehr) in Empfang nehmen, stellen wir fest, dass es sowohl von außen als auch von innen wie ein Schweinestall aussieht. Alles ist dreckig, staubig und verkrümelt. Eigentlich dürfte man das so gar nicht annehmen und müsste auf entsprechende Reinigung bestehen. Aber ganz ehrlich: Nach diesem Reiseauftakt hätte ich auch einen Armee-LKW oder ein Baustellenfahrzeug mit Kiesladung angenommen. Hauptsache schnell fertig und keine Extrarunden mehr.

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