Es gibt ein paar Typen von Verkehrsteilnehmern, die mir regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn und das Adrenalin in die Adern treiben. Hier stelle ich Euch mal meine Top 3 vor:

Der aggressive Fahrer

Manche Menschen fahren so, als gäbe es kein Morgen mehr und als wären sie die Einzigen auf der Straße. Das sind typischerweise die Raser auf der Autobahn mit Bleifuß auf dem Gaspedal und nervöser Lichthupe oder Blinker. Sie hängen so dicht an meiner Stoßstange, dass ich ihre Nasenhaare sehen und die Wörter “verpiss dich” von ihren Lippen ablesen kann. Es sind auch diejenigen, die einen Kavalierstart an der Ampel noch für cool halten oder mit 80 km/h durch eine geschlossene Ortschaft rasen, nur um eine Frau (oder Mann?) zu beeindrucken und ihr unausgefülltes Sexualleben zu kompensieren. Und es sind auch die Gleichen, die gerne noch bei Dunkelrot über die Ampel fahren, nach dem Motto “die anderen müssen halt warten”. Einfach Menschen, die sich mehr Raum und Recht nehmen, als ihnen zusteht und damit natürlich nicht nur sich selbst, sondern alle anderen gefährden. Ich habe den Eindruck, dass es in den letzten Jahren immer mehr solcher Typen gibt, wahrscheinlich ist das einem Zeitgeist geschuldet, demzufolge alles immer schneller und ohne Rücksicht auf Verluste gehen muss.

Die Schnarcher

Das Gegenprojekt dazu sind die unsäglichen Schnarcher, die innerorts mit 45 km/h herumbummeln (bergab auch mal 46 km/h), bei Grün an der Ampel gefühlte 5 Minuten brauchen, um den ersten Gang einzulegen und das Gaspedal zu finden und die auch gerne anhalten, wenn auf dem Fußweg sich jemand dem Bordstein auf mehr als 5 Meter nähert – er könnte ja in den nächsten 10 Minuten die Straße überqueren wollen. Auf der Autobahn findet man den Schnarcher gerne auch auf der mittleren Spur, im Englischen gibt es dafür sogar einen eigenen Begriff: middle lane cruiser. Auch wenn rechts alles frei ist, scheint ihm die mittlere Spur doch die sicherste Option. Und wenn er einen LKW überholt, tut er das mit höchstens 2 km/h mehr als der Brummi. Und man sollte sich auch nicht dem Irrtum hingeben, dass diese Fahrer doch eigentlich ganz ungefährlich seien, denn ihre übertrieben langesamen Reaktionen und das unerwartete und unsinnige Anhalten oder Bremsen führen häufig zu gefährlichen Situationen und Unfällen – vielleicht weniger schwerwiegenden als bei Rasern, aber eben doch nicht ungefährlich. Mancher Schnarcher sollte sich ernsthaft überlegen, das Auto gegen öffentliche Verkehrsmittel einzutauschen. Und interessanterweise sind es eher selten Fahranfänger, die so den Verkehr behindern, sondern unsichere Rentner, ungeübte Sonntagsfahrer oder sich vor Vorsicht und Sicherheitsbestreben überschlagende Muttis auf dem Weg zu Schule oder Einkauf. Jaja, das klingt sexistisch, ist aber nicht so gemeint. Schnarcher findet man unter beiden Geschlechtern, aber rein statistisch gesehen bringen eben häufiger Frauen ihre Kinder zur Schule oder erledigen den Einkauf. Und sind dann mit dem Einkaufswagen im Supermarkt schneller unterwegs als mit ihrem Lupo oder Twingo auf der Strasse.

Rücksichtslose Radfahrer

Unsere Innenstädte sind voll von Radfahrern, die meinen, sich über alle Regeln hinwegsetzen zu können mit dem Argument, dass sie im Vergleich zu Autofahrern gefährdete und schutzwürdige Verkehrsteilnehmer sind. Das sind auch Fußgänger, und trotzdem verhalten sie sich nicht so rücksichtslos. Fast jeden Tag erlebe ich in Innenstädten Radfahrer, die sich Rechte herausnehmen, die ihnen nicht zustehen und dabei auch äußerst aggressiv gegen Autofahrer pöbeln. Natürlich gibt es auch gleichermaßen rücksichtslose Autofahrer und sicher gibt es auch vernünftige Radfahrer. Aber wer mit offenen Augen durch unsere Städte fährt, kann den Trend nicht übersehen: Radfahrer, die Radwege ignorieren und stattdessen im Autoverkehr mitschwimmen wollen; Radfahrer, die einfach von Kreuz nach Quer fahren oder abbiegen mit dem Selbstverständnis, dass Autofahrer schon anhalten werden; oder Radfahrer, die vom Fußweg auf die Fahrbahn und zurück wechseln, um nicht an einer roten Ampel anhalten zu müssen. Und das fängt alles schon im Kindesalter an, wenn Verkehrserziehung offenbar versagt. Ich bringe jeden Morgen meine Kinder zur Schule und bin regelmäßig entsetzt darüber, wie schon 10-Jährige mit ihren Fahrrädern einfach drauf los fahren, die Fahrbahn ohne Zebrastreifen oder Ampel überqueren und dabei Autofahrer zum abrupten Bremsen zwingen. Interessanterweise geschieht das direkt vor einer Polizeistation gegenüber der Schule, während Polizeibeamte ungerührt vor der Wache stehen und ihre Zigarette bei einer Tasse Kaffee rauchen. Da frage ich mich, wer stärker bemüht ist, die jeweils anderen zu ignorieren: die Polizei die Radfahrer oder umgekehrt.

 

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