Auch wenn man das Thema Dieselfahrverbote nicht mehr hören kann, möchte ich doch etwas dazu sagen. Denn die ganze Debatte ist ein typisches Beispiel dafür, wie mit Halbwissen, verzerrten Fakten und politisch motiviertem Handeln eine Prinzipienreiterei betrieben wird, die am Ende allen schadet und kaum jemandem nützt.

Hauptakteure und Treiber der ganzen Diskussion sind diverse Umweltverbände, die sich als Retter der (deutschen) Menschheit präsentieren. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes und der Forderung, die Gesundheit von Menschen schützen zu wollen, wird eine regelrechte Hetzjagd auf Autoindustrie und Politik betrieben. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es eine absolute Sauerei und unglaubliche Arroganz, wie namhafte Vertreter der deutschen Autoindustrie sowohl ihre Autos als auch die Öffentlichkeit manipuliert haben und immer noch vorführen. Und die Politik hat sich in den bisherigen Debatten nicht durch besonders tatkräftiges Handeln hervorgetan und muss sich definitiv vorwerfen lassen, zu sehr unter dem Einfluss der Automobil-Lobby zu stehen. Soweit so gut. Das ändert aber nichts daran, dass die Debatte der letzten Monate an Unsinn und Scheinheiligkeit nicht zu überbieten ist. Ich möchte das an einigen exemplarischen Aspekten verdeutlichen:

Moralisch fragwürdige Ankläger

Ausgangspunkt für die ganze Diesel-Misere ist der Manipulations-Skandal, der in den USA seinen Anfang nahm. Niemand bestreitet, dass hier getrickst und betrogen wurde. Aber warum wundert sich niemand darüber, dass dieses Thema von Behörden eines Landes aufgebracht wurde, deren heimische Autoindustrie fast ausschließlich monströse Dreckschleudern produziert? Welche moralische Legitimation kann man für sich beanspruchen, wenn man jährlich Millionen von technisch rückständigen Pickups und Trucks mit Monster-Motoren produziert, deren Abgaswerte jeden deutschen Umweltaktivisten in eine Sinnkrise stürzen müssten? Man muss kein Anhänger von Verschwörungstheorien sein, um hier eine eindeutige, politisch motivierte Absicht zu erkennen, um in einem globalen Wirtschaftskrieg der deutschen Autoindustrie zu schaden.

In die gleiche Richtung zielt die Frage, weshalb Dieselmanipulationen nur an deutschen Fahrzeugen festgestellt und angeprangert werden. Auch viele andere Hersteller haben vergleichbar gehandelt, teilweise wurde das auch in Tests nachgewiesen. Aus irgendeinem, mir noch nicht ganz ersichtlichen Grund wird das aber weder in der Öffentlichkeit breit getreten, noch scheint es rechtliche Konsequenzen nach sich zu ziehen. Das soll nicht das Verhalten der deutschen Autobauer entschuldigen oder rechtfertigen, aber es wundert doch, dass die Felle aller anderen Bären beim Waschen nicht nass werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Diesel-PKWs sind das geringste Problem

Ein weiteres Problem besteht darin, dass kaum jemand wahrnimmt, dass Diesel-PKWs das kleinste Problem bei der Überschreitung von Feinstaub-Grenzwerten sind. Der weitaus größere Teil wird von anderen Verkehrsteilnehmern auf der Straße produziert wie LKWs und Busse und tatsächlich durch Schiffe. Hm…. denkt man, Schiffe? Es ist so, dass ein einzelnes Schiff ein Hundert- bis Tausendfaches der Schadstoffe ausstößt, die von allen Diesel-PKWs einer mittelgroßen Stadt in Summe verursacht werden. Und jetzt kann man mal überlegen, wie viele Binnenschiffe täglich über die großen Flüsse der Republik fahren, ganz zu schweigen von den großen Container-Frachtern z.B. im Hamburger Hafen. Wer in Hamburg ein Dieselfahrverbot für ältere PKWs fordert, kann genauso gut verlangen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, indem er ein Brötchen pro Monat per Post nach Mali schickt. Nähere Informationen dazu kann man in einem seriösen Beitrag des Jülicher Forschungszentrums nachlesen, wo seit Jahrzehnten Feldforschung zu diesem Themenkomplex betrieben wird. Die Treibjagd auf Diesel-Fahrzeuge ist aber nicht nur deshalb fragwürdig, weil diese nur zu einem recht geringen Anteil der Verursacher des Problems sind, sondern weil ein Fahrverbot auch nicht einfach linear positive Ergebnisse erzielt. Wenn also 20% weniger Diesel durch eine Stadt fahren, wird dadurch die Luftqualität bei weitem nicht um 20% verbessert. Aufgrund sehr komplexer klimatischer und biochemischer Prozesse und Zusammenhänge sind die zu erzielenden Effekte deutlich geringer. Hierzu liegen seit Jahren seriöse und belastbare Forschungsergebnisse vor, die aber leider in der öffentlichen Debatte keine Rolle spielen.

Fahrverbote können auch negative ökologische Folgen haben

An gleicher qualifizierter Stelle des Jülicher Forschungszentrums kann man übrigens nachlesen, dass eine Verringerung der Stickoxid-Belastungen zu einer Erhöhung der Ozon-Werte führen kann mit den bekannten Problemen für die Ozonschicht. Das klingt absurd, und die wissenschaftlichen Hintergründe sind kompliziert und nicht leicht verständlich. Man kann und darf sie aber nicht einfach ignorieren, insbesondere weil sie die vermeintlich so umweltfreundlichen Beweggründe der Dieselfahrverbot-Befürworter in weiten Teilen ad absurdum führen. Deren ganze Argumentation ist so scheinheilig und vordergründig, als würde man vom Namen einer Partei wie der CDU ableiten, dass all ihr Handeln unbedingt christlich sein müsse – steht doch der Begriff „Christlich“ schon im Namen der Partei.

Falsch aufgestellte Messstationen, fragwürdige Grenzwerte und manches mehr

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Ungereimtheiten, die nur wenig Beachtung finden. Allen voran die Feststellung, dass viele Messstationen unsinnig aufgestellt sind mit teils viel zu wenig Abstand zu den Fahrbahnen. Da werden Werte gemessen, als ob Passanten oder Anwohner quasi auf der Straße leben. Ein ähnlicher Aspekt ist die Frage, ob die Grenzwerte tatsächlich da sein sollten, wo sie heute sind. Es geht dabei nicht darum, sich die Lage durch unsinnig hohe Grenzwerte schön zu reden, aber man muss sich schon fragen, ob wir uns hier nicht alle einem künstlichen Hype unterwerfen, während es etliche andere, weitaus schlimmere Gefahrenquellen gibt, um die sich scheinbar niemand sorgt. Wer Angst vor zu hohen gesundheitlichen Gefahren hat, sollte auf jeden Fall nicht rauchen, keinen Schluck Alkohol trinken, niemals eine Kreuzfahrt buchen, in kein Solarium gehen und im Sommer immer Schutzfaktor 50 auftragen.

Natürlich verlangt niemand, das Problem zu hoher Stickoxid-Werte zu ignorieren. Aber die Lösung muss von der Politik kommen, die Hersteller zur kostenlosen Umrüstung zwingt und auch LKWs und Busse nicht ausklammert –  um nur ein paar wenige Stellschrauben zu nennen. Schließlich ist es in den letzten Jahrzehnten doch ganz gut gelungen, die von Umweltverbänden gebetsmühlenartig vorhergesagten Apokalypsen wie das Waldsterben abzuwenden und die Luftqualität insgesamt sehr stark zu verbessern. Und zwar ohne solche unsinnigen Gängelungsmaßnahmen wie Fahrverbote, die in der Praxis fast nichts bringen, dafür aber Millionen Menschen negativ beeinträchtigen und für Verkehrschaos sorgen. Und jemand sollte den Umweltaktivisten auch einmal sagen, dass sie sich durch ihr schon fast religiös-fanatisches Auftreten selbst schaden und der Sache des Umweltschutzes einen Bärendienst erweisen. Wirklich sinnvoller Umweltschutz sollte unvoreingenommen und im Einvernehmen mit der Industrie, der Wissenschaft und allen anderen Akteuren nach guten und effektiven Lösungen suchen, anstatt per Gerichtsbeschluss Städte und Gemeinden vor fast unlösbare Probleme zu stellen.

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