Wir sind gerade mit der ganzen Familie in Kanada unterwegs und haben uns einen Mietwagen gebucht, der uns von Montreal nach Québec City, Ottawa, Kingston, den Niagarafällen und Toronto bringen soll. Um 5 Personen plus Gepäck auch zuverlässig verstauen zu können, habe ich den größten Van gebucht, den Hertz anbieten konnte – kurz unterhalb der Greyhound-Größe.

Was man uns in Montreal konkret in dieser Kategorie angeboten hat, ist ein Dodge Caravan. Davon sieht man hier inflationär viele auf den Straßen, insofern sind wir also in guter Gesellschaft. Und hier ist ein erster kurzer Fahrbericht nach ein paar hundert Kilometern (in Kanada wird auch wirklich in Kilometern gerechnet und nicht in Meilen).

Der Dodge ist richtig groß und hat sieben Sitze, die variabel zu verstellen sind. Zudem befinden sich an jeder Ecke USB-Andockstellen und Heizungsregler für alle drei Sitzreihen. Es gibt sogar einen ausklappbaren Monitor in der Decke, auf den DVDs abgespielt werden können. Das ist alles gut durchdacht und wirklich familientauglich. Auch die beiden hinteren Seitentüren, die als riesige Schiebetüren daher kommen, sind perfekt für ein stressfreies Ein- und Aussteigen. Also alles schön und gut – bis man losfährt.

Die Straßenlage und das Fahrwerk des Amerikaners erinnern stark an Wackelpudding. Selbst bei gerader Strecke ist die Lenkung so indirekt, dass man immer leichte Korrekturen machen muss und die nächste Kurve fürchtet. In der neigt sich das Auto nämlich derart unkontrolliert zur Seite, dass man das Gefühl hat, es führt ein Eigenleben; wie ein Pferd, das plötzlich einen Haufen Heu sieht und spontan dorthin zieht. Ähnlich unkultiviert ist der Motor in Kombination mit der Kupplung. Leistung gibt es satt, aber wenn man das Gaspedal nur dezent antippt, schaltet die Kupplung gefühlte 5 Gänge hoch und der Motor heult auf wie ein Kleinkind, dem man im Sandkasten die Förmchen geklaut hat. Tritt man hingegen beherzt aufs Gas – am besten bis zum Bodenblech – passiert eine gute Weile erst mal gar nichts, bis sich die Kupplung dann doch dazu entscheiden kann, einen anderen Gang einzulegen, und der Motor endlich mehr Leistung anbietet.

Alles in allem ein wirklich unkultiviertes Fahrzeug in Punkto Fahrverhalten und Straßenlage. Für die breiten Highways mit einem Tempolimit von 100 km/h mag das schon gehen und gar nicht weiter auffallen. Aber für uns Europäer, die doch andere Straßen und Geschwindigkeiten gewohnt sind, ist das einfach ein radikal unterbelichtetes Fahrerlebnis.

 

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