Neulich musste meine italienische Bellezza für einen kleinen Eingriff in die Werkstatt, einer der Scheinwerferwaschdüsen hatte sich ausgehängt (was es alles geben kann….). Zusammen mit einem routinemäßigen Software-Update wurde insgesamt ein kompletter Tag eingeplant, und ich erhielt ersatzweise einen Leihwagen des Autohauses: Einen Jeep Cherokee.

Dieser Amerikaner ist so ziemlich das krasseste Gegenprogramm zur Alfa Romeo Giulia, das man sich vorstellen kann. Angefangen vom Design über das Fahrwerk bis zum  Motor hatte ich ein echtes Kontrastprogramm. Fangen wir bei dem äußeren Erscheinungsbild an: Geschmack ist ja bekanntlich subjektiv – und meinen trifft dieses Design sicher nicht. Alles wirkt kantig und verschroben, irgendwie eine Mischung aus Geländewagen und SUV, der zu heiß gewaschen wurde und an den falschen Stellen eingelaufen ist. Besonders bei der Heckansicht frage ich mich, ob der Designer krank geworden ist oder ob es das Ergebnis einer langen Partynacht im Designstudio ist. Aber gut, immerhin will ich der Form zu Gute halten, dass sie nicht dem üblichen Einheitsbrei nacheifert und wohl absichtlich polarisieren will. Was ihr auch gelingt.

Im Innenraum ist alles recht funktional und aufgeräumt, Schalter und Knöpfe sind da, wo man sie vermutet. Es ist alles recht Plastik-dominiert und auf „Basic“ getrimmt, an keiner Stelle möchte der Blick unnötig lange und bewundernd verweilen. Material und Verarbeitung wirken OK, sind aber keinesfalls Oberklassen-tauglich. Für einen Geländewagen würde es absolut in Ordnung gehen, nur werden solche Lifestyle-SUVs natürlich nicht wirklich oft im Gelände eingesetzt. Was mir ganz gut gefällt ist das zentrale Display in der Mittelkonsole für Infotainment, Klima und Navigation. Die Bedienung ist klar und einfach, ich muss nicht lange rätseln, wie ich von A nach B komme. Auch das Navi selbst lässt sich gut bedienen, obwohl das Verschieben der Karte nicht ganz einfach geht. Das ist bei vielen Karten ein Problem und ich frage mich manchmal, ob ich wirklich der Einzige bin, der diese Funktion sucht. Dass es super-einfach gehen kann, weiß ich spätestens seit meinem ersten Audi A5 von vor über 6 Jahren. Wir sprechen also nicht wirklich über Cutting-Edge Technologien.

Der Motor ist ein Selbstzünder und bringt schon ausreichend Dampf auf die Straße. Ich kann ihn freilich nicht mit den 510 PS aus dem Quadrifoglio vergleichen, aber er kann in Sachen Durchzug problemlos mit jedem Standard-Diesel in ähnlicher Leistungsklasse mithalten. Was aber nicht sauber funktioniert ist das Zusammenspiel mit der Automatik. Die ist recht grobschlächtig, schaltet mal zu schnell und mal zu langsam und ergibt im Gesamtbild ein etwas holpriges und unrundes Bild. Hier wünsche ich mir eine manuelle Schaltung, denn jeder halbwegs versierte Fahrer kriegt das besser hin als die Jeep-Automatik.

Die Straßenlage ist typisch amerikanisch: etwas teigig und mit starker Tendenz zur Kurvenneigung, was mich schon ein wenig überrascht. Mag sein, dass man damit im Gelände super zurecht kommt, was ich aber nicht wirklich testen kann und will. Auf normalen Straßen verleiten Fahrwerk und  Handling jedenfalls nicht zu forcierter Fahrweise. Dass es noch schlimmer geht, weiß ich dank eines Dodge Grand Caravan, den wir im Urlaub bewegen mussten und der stark an Wackelpudding erinnerte. Insofern ist der Jeep hier schon eine Klasse besser – aber eben nicht ganz auf der Höhe der meisten europäischen und asiatischen Hersteller.

Am Ende des Tages frage ich mich, wer der typische Käufer des Cherokee sein soll. In dieser Preisklasse bekommt man bessere Motor-Getriebe-Einheiten, bessere Interieurs und besseres Fahrverhalten (zumindest für normale Straßen). Bleiben also vermutlich all jene Non-Konformisten als potentielle Käufer, die in einem Auto gesehen werden möchten, dass nicht wie jedes andere aussieht. Aber muss es dafür gleich ein so skurriles Gerät sein? Immerhin gibt es den Dacia Duster zu einem Bruchteil des Preises, und schön ist der auch nicht.

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