Gestern habe ich meinen neuen Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio beim Händler abgeholt. Hier sind die ersten Eindrücke nach rund 150 Kilometern Stadtfahrt, Landstraße und Autobahn.

Wenn man ein Auto online konfiguriert und sich für eine Kombination aus Farbe, Felgen und anderen Designdetails entscheiden muss, die man so noch nie in Echt auf der Straße gesehen hat, schwingt immer ein gewisses Maß an Unsicherheit mit. Insofern war ich erleichtert und begeistert gleichzeitig, wie schön das Ergebnis ausgefallen ist. Das satte, metallisch schimmernde Dunkelblau harmoniert hervorragend mit den sportlichen hellen Felgen. Sie steht satt auf der Straße, die dezenten Spoiler sind in Verbindung mit der eher gedeckten Farbwahl noch für ein wenig Understatement gut und man sieht dem Fahrzeug seine 510 PS nicht wirklich an. Ich wollte ganz bewusst keine „Proll-Karre“ fahren, die auf jedem Meter Midlife-Krise schreit und mit der sich meine Kinder schon 200 Meter vor der Schule absetzen lassen, weil es sonst zu peinlich wäre. Den Punkt kann ich also schon mal auf der Liste als „gut gemacht“ abhaken.

Als ich vom Händlerhof fahre, kommen spontan ein paar Verkäufer aus dem Schauraum, um den Klang des Motors noch einmal zu genießen. Und der ist, abhängig von der Einstellung des DNA-Reglers, zwischen kernig und „der Hammer“. Auf Stufe A (steht für advanced efficiency – irgendwie musste man ja den Begriff DNA zusammen bekommen) läuft alles im Sparmodus. Bei konstanter Last wird eine der Zylinderbänke abgeschaltet und das Ansprechverhalten von Gas, Bremse und Lenkung sowie der Motorklang auf ein Normalo-Level reduziert. Es ist klar, dass diese Option speziell für die offiziellen Verbrauchswerte geschaffen wurde, auch wenn ich doch am Ende ziemlich überrascht bin, dass die Giulia selbst in diesem Sparprogramm noch richtig flott unterwegs ist. Es fühlt sich an, als wären die 510 PS auf „nur“ die Hälfte reduziert worden, aber selbst damit ist man mehr als sportlich unterwegs.

Im N-Modus (für normal) reagiert das Gaspedal merklich giftiger, bei Lenkung und Bremse spüre ich nur wenig Unterschied. Der Sound legt eine Spur zu und bietet schon ein ordentliches Spektakel. Die Beschleunigung hält damit Schritt und zieht den über 1,6 Tonnen schweren Sportler kräftig nach Vorne. Im D-Modus (für drive) wird alles noch eine Dosis sportlicher, Sound und Beschleunigung legen zu und jetzt ist auch die Lenkung spürbar härter eingestellt. Wenn ich das Gaspedal durchtrete, hat das Ergebnis schon etwas Katapultartiges. Aber der absolute Wahnsinn stellt sich im Race-Modus ein, den es nur bei der Giulia Quadrifoglio gibt und den man auch nicht weiter übersetzen muss. Wer sich fragt, was jenseits der D-Stufe noch kommen kann, findet hier eine überraschende Antwort. Der Motor macht infernalische Geräusche, die jede nachbarschaftliche Beziehung auf den Prüfstand stellen. Er blubbert und sprotzt, dass einem das Cuore Sportivo aufgeht. Und wenn ich das Gaspedal durchdrücke, haben ich keinen Zweifel daran, dass dieses Geschoss die 100 Km-Marke aus dem Stand in 3.9 Sekunden schafft.

In meinen nächsten Blogbeiträgen werde ich auch über Querbeschleunigung, Kurvenverhalten und andere schöne Dinge schreiben. Was mich aber schon heute, nach den ersten Fahrten, extrem überrascht hat, sind der Komfort und die Einfachheit, mit der sich das Fahrzeug im Alltag bewegen lässt. Ich hatte mich auf eine kapriziöse Diva eingestellt, die bei sensibelsten Gasbewegungen hektisch reagiert und durch eine kräftige Hand gebändigt werden will. Aber nichts da: Das Gaspedal ist so eingestellt, dass man robust mit ihm umgehen kann und schon richtig drauftreten muss, damit der Wolf aus dem Schafspelz kommt. Und das auf eine wirklich angenehme Weise, die sehr viel Vertrauen schafft und einem die Angst vor unkontrollierten oder versehentlichen Überreaktionen komplett nimmt. Dazu passt auch das Fahrwerk, das separat eingestellt werden kann und selbst in der härtesten der drei möglichen Stufen immer noch so komfortabel ist, dass man es als bequem empfindet. Es bleibt nichts von der Befürchtung, jeden Kieselstein auf der Piste zu spüren und nach 100 Kilometern ernste Nierenschäden zu bekommen. Damit wirkt die Giulia auf den ersten Blick wie ein absolut langstreckentaugliches Fahrzeug. Inwieweit die Fahrwerksabstimmung auch aggressives Kurvenfahren und Querdriften unterstützt, werde ich noch testen müssen.

Sportlich und gleichzeitig sehr bequem ist auch das Sitzmöbel meiner Italienerin. Ich habe auf die aufpreispflichtigen Super-Rennsitze verzichtet und das Serien-Stuhlwerk der Quadrifoglio genommen, in dem ich sehr schnell „meine“ Position gefunden habe. Abstand zu Pedalen und Lenkrad lassen sich für meine Körpergröße perfekt justieren und der Seitenhalt ist genau richtig: nicht zu steif und beengend, aber dennoch fest.

Die „Qualitätsanmutung“ wirkt auf den ersten Blick gut. Ich kann keine ungleichen Spaltmaße erkennen und die verwendeten Werkstoffe außen wirken alle solide. Im Innenraum ist das Design klar und ein wenig reduziert und liegt damit sicher im Trend der Zeit. Die Materialien wirken nicht ganz so hochwertig wie bei den meisten Audi-, Mercedes- und BMW-Modellen, wobei es auch bei diesen ziemliche Unterschiede von Preissegment zu Preissegment gibt. Die Giulia scheint hier auf einem guten Mittelwert zu liegen. Insgesamt macht der Innenraum den Eindruck, als wollte man hier ein vernünftiges Ergebnis liefern, ohne aber die Ingenieure zu sehr von ihrer eigentlichen Aufgabe abzulenken: ein fahrdynamisches, akustisches und optisches Feuerwerk der ersten Klasse auf ihre breiten Räder zu stellen.

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