Ich fahre meine Giulia Quadrifoglio jetzt seit knapp einem Jahr und habe rund 18.000 Kilometer auf den Asphalt gebracht – da wird es Zeit für einen ersten Zwischenbericht.

Was mir richtig gut gefällt

Ich war anfangs schon besorgt, dass die QV mit ihren 510 PS eine kapriziöse Prinzessin sein könnte, die sehr wartungsintensiv und nervös im Handling ist. Stimmt aber nicht. Das Auto ist unglaublich alltagstauglich, es fährt sich in den Stufen „advanced efficiency“ und „normal“ sehr entspannt und ist auch auf Langstrecken äußerst bequem. Aber auch im Stadtverkehr, auf den sicher die meisten der 18.000 Kilometer entfallen sind, hat man überhaupt nicht das Gefühl, falsch motorisiert zu sein. Die Technik war bisher auch sehr robust, nichts ist ausgefallen, durchgebrannt oder kaputt gegangen. Ich hatte nur einmal ein Problem mit der linken Düse der Scheinwerferwaschanlage und einmal ist der Motor – nachdem die Leerlaufdrehzahl kurz unter den Sollwert abgerutscht ist – Software-gesteuert in einen abgesicherten Notmodus geraten, der in 5 Minuten in der Werkstatt wieder aufgehoben wurde. Da kenne ich viele andere Fabrikate, durchaus auch deutscher Herkunft, die häufiger und mit ernsteren Problemen zu kämpfen haben.

In den Stufen „dynamic“ und „Race“ ist die Giulia eine echte Rennmaschine. Die direkte Lenkung, die zupackenden Bremsen, die ausbalancierte Straßenlage, die atemberaubende Beschleunigung und der kernige Sound begeistern mich wie am ersten Tag, davon kann man einfach nicht genug bekommen. Ich bewege das Auto fast jeden Tag und habe trotzdem immer noch das Gefühl eines ganz besonderen Fahrerlebnisses. Einmal auf gerader Strecke das Gaspedal richtig durchdrücken oder in einer Kurve das Heck kurz driften lassen machen heute so viel Laune wie am ersten Tag.

Der Verbrauch geht für die Leistung auch völlig in Ordnung. Im Stadtverkehr komme ich auf ca. 15 Liter, bei Autobahnfahrten reichen meist 10 – 11 Liter. Klar, wenn man es im Race-Modus so richtig krachen lässt, dann sind auch 18 – 19 Liter drin, aber in der Mischkalkulation sind die Werte schon im Rahmen.

Auch am zeitlosen und doch so zeitgemäßen Design kann ich mich nach einem Jahr nicht satt sehen. Aus jeder Perspektive gefällt mir die Italienerin und auch vielen anderen Menschen, die mich regelmäßig an der Tankstelle, in der Waschstraße oder auf dem Parkplatz mit einem Lächeln im Gesicht ansprechen und zu meiner Wahl beglückwünschen.

Was nicht ganz so prickelnd ist

Gäbe es keine Schatten, könnte man das Licht nicht schätzen. So gibt es ein paar Dinge, die schon noch Raum für Verbesserung lassen. Allen voran finde ich das Navigationssystem für diese Klasse noch nicht gut genug. Zum einen fehlt mir der Real Time Traffic Control über eine SIM-Karte, das ist leider gar nicht vorgesehen. Die Straßensituation wird zwar leidlich gut dargestellt, aber ein Real-Time-System wäre wirklich auf 100 Meter genau. Zum anderen ist die 3D-Anzeige nicht besonders gut gelungen, man kann die Skala nicht wirklich groß einstellen, was gerade bei längeren Überlandfahren etwas nervt. Und dann fehlt da noch die Integration mit den Car Play Systemen von Apple oder Android, die bei vielen anderen Herstellern schon in niedrigeren Preisstufen zum Standard gehört. Manches davon ist sicher unsinnige Spielerei, aber einige Apps wie der Benzinpreis-Check von umgebenden Tankstellen oder die Wettervorhersage aus dem mobilen Telefon wären manchmal hilfreich. Alfa hat diese Integration beim Stelvio angekündigt, richtig verfügbar bzw. bestellbar ist sie aber noch nicht. Und ob oder wann die Giulia davon profitieren kann, steht noch in den Alfa-Sternen.

Ein weiteres Problem ist die Geometrie und Einstellung der Vorderachse. Sie ist zwar für ein tolles Fahrerlebnis bei höheren Geschwindigkeiten verantwortlich, führt aber leider auch dazu, dass das Fahrzeug in langsam gefahrenen, engen Kurven (z.B. beim Parken und Rangieren) kräftig über die Vorderräder schiebt und springt. Als Effekt nutzen sich die vorderen Reifen extrem schnell ab: Ich hatte nach 15.000 Kilometern vorne echte Slicks, während die hintere Bereifung noch völlig in Ordnung war – und das trotz Hinterradantrieb. Angeblich soll es mit anderen Reifen als den von Werk gelieferten Halbrennern besser sein, mal sehen. Sonst sind die Reifen natürlich erste Sahne und vermitteln das Gefühl, in einem Gokart zu fahren.

Im Gegensatz zur bisher sehr zuverlässigen Technik scheint die Elektronik manchmal etwas nervös zu sein, hier sind in der Software noch nicht alle Potentiale ausgereizt. Um stellvertretend ein Beispiel zu nennen: Gelegentlich zeigt der Reifendrucksensor zu wenig Druck an, wenn im Hinterrad 2.1 bar sind. Am nächsten Tag stören ihn die gleichen 2.1 bar aber überhaupt nicht. Ich verbuche das alles unter kosmetischen Problemchen, schließlich ist kein Motor trockengelaufen oder Turbolader kollabiert. Aber leicht irritierend können solche nervösen Zuckungen der Elektronik schon sein.

Fazit: alles gut

Ich trete einen Schritt zurück, entziehe mich der Klein-Klein-Perspektive des Alltags und versuche, mir die Giulia QV mit etwas Distanz zu betrachten. Dann sehe ich ein unglaublich tolles Auto vor meinem geistigen Auge und freue mich einfach nur auf die nächsten 18.000 Kilometer.

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