Kürzlich hatte ich wieder das zweifelhafte Vergnügen, den Service eines Citroen-Händlers zu testen. Das Problem fängt schon damit an, dass Citroen bzw. der Mutterkonzern PSA (zu dem neben Citroen auch Peugeot und neuerdings Opel gehören) vor einigen Jahren das Händlernetz stark ausgedünnt hat. Um eine anstehende Rückrufaktion durchführen zu lassen, musste ich aber unbedingt einen Vertragshändler ausfindig machen, da nur diese solche Aktionen durchführen dürfen. Und es stellte sich heraus, dass ich dafür eine knappe Stunde Anfahrtszeit in die Kölner Innenstadt in Kauf nehmen musste, da alle näher gelegenen Citroen-Niederlassungen ihre Konzession kürzlich verloren hatten.

Also machte ich mich auf Weg nach Köln, was während des Berufsverkehrs eine richtige Stop-and-Go-Party ist. Nachdem ich den Händler endlich erreicht hatte, musste ich feststellen, dass es keinen einzigen freien Kundenparkplatz gab. Das unübersichtlich gestaltete Areal rund um das zentrale Gebäude war mit Fahrzeugen vollgestopft, während der Kundenbereich direkt vor dem Eingang mit einem Baustellenband abgesperrt war. Vor wem man hier die Kundenparkplätze schützen wollte, hat sich mir leider nicht erschlossen. Nach ein paar Minuten konnte ich mein Auto dann so irgendwo abstellen, dass es zumindest niemandem den Weg versperrte.

Dank fehlender Hinweisschilder musste ich einen kleinen Umweg über den Verkaufsraum nehmen, bis ich endlich den Eingang zum Servicebereich finden konnte, der in einem ganz anderen Gebäude untergebracht ist. Die Formalitäten der Fahrzeugübergabe waren unspektakulär und das Personal durchaus freundlich – hier wäre Kritik wirklich unberechtigt. Um anschließend eine halbe Stunde Zeit totzuschlagen, bis meine Frau mich abholen konnte (ein kostenloses Ersatzfahrzeug gibt es auch bei Rückrufaktionen nicht – ein echtes Unding), bin ich dann wieder hinüber in den Verkaufsraum geschlendert. Wobei der Begriff Verkaufsraum ein Ambiente andeutet, das hier sicher nicht vorhanden war. Die ganze Atmosphäre in der Halle, in der man neue Autos für viel Geld verkaufen möchte, erinnerte eher an eine Mischung aus Lagerhalle und Wartezimmer einer Arztpraxis. In einer hinteren Ecke war ein Aufenthaltsbereich eingerichtet, in dem Kunden bei einem Kaffee ihre Wartezeit überbrücken können. Die aufgestellten roten und braunen Kunstleder-Sofas erinnerten mich stark an eine Studenten-WG, deren Einrichtungen häufig aus den Einzelteilen bestehen, die im elterlichen Haushalt ausrangiert wurden. An der Wand stand eine Kaffeemaschine, daneben lagen verstreut ein paar Zuckertüten und Milchdosen – aber keine unbenutzten Kaffeetassen. Erst auf Rückfrage beim Verkaufspersonal reichte man mir eine frisch gespülte Tasse, vermutlich auch aus WG-Beständen. Nicht auszudenken, wenn ich der Vermutung erlegen wäre, dass der Kaffeeautomat – sobald man einen Kaffee anfordert – automatisch auch einen Becher bereitstellt.

Ein ähnliches Parkplatz-Bild dann zwei Tage später, als ich meinen „Franzosen“ wieder abholen wollte: alles vollgestellt, der Kundenparkplatz abgesperrt, völliges Rangier-Chaos. Die freundliche Dame an der Kasse überreichte mir den Schlüssel mit folgenden Worten: „Ich glaube, Ihr Auto müsste auf Platz 28 stehen, das ist hinter dem Gebäude in der anderen Ecke des Grundstücks. Kann sein, es ist dort aber nicht mehr, dann kommen Sie wieder zurück und wir suchen ihn“. Kurzum: perfekter Service. Wobei mein Citroen dann tatsächlich doch auf Platz 28 stand, allerdings musste ich rund 15 Minuten warten, bis diverse andere Fahrzeuge umrangiert wurden, um mir den Weg zum Ausgang frei zu legen.

Das ist das Grund-Elend, das ich leider häufiger in Autohäusern – nicht nur bei Citroen oder Peugeot – zu sehen bekomme: eine grau(sig)e Atmosphäre mit zusammengewürfelter Einrichtung, aus der man am liebsten schnell wieder verschwinden möchte; und die sicher nicht dafür geeignet ist, sich über den Kauf eines immerhin nicht billigen Neuwagens zu informieren oder gar beraten zu lassen. Verkaufsräume sollten aber inspirierend wirken und eine ganz eigene Designsprache sprechen, die mit dem Anspruch der jeweiligen Marke korrespondiert. Alles, was ich bei diesem Händler zu sehen bekommen habe war ein Ambiente, das überhaupt keinen Anspruch auf irgendetwas anmeldet. Schade.

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