Zweimal Audi A5 Cabrio, jeweils 3 Jahre lang, beide Male als neuer Diesel mit gut 200 PS. Macht also 6 Jahre Dauertest, in denen ich die Autos fast täglich bewegt habe, bis der zweite Anfang des Jahres wieder an den Händler zurückging.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich ist Audi eine Premiummarke und natürlich gab es keine gravierenden Mängel über die insgesamt rund 150.000 km. Aber solche Strecken kann man auch mit vielen anderen Fabrikaten gut und zuverlässig zurücklegen, die deutlich günstiger sind. In Rumänien fahren viele Dacias mit 400.000 km und mehr auf der Uhr als Taxi herum…. gut, da quietscht und knarrt es schon mal ordentlich, aber vermutlich werden diese Fahrzeuge auch nicht wie vorgesehen gewartet und gepflegt. Also muss der Audi schon mehr können und in Summe besser abschneiden als „hat keine Probleme verursacht“, um seinem Image gerecht zu werden.

Manchmal nervt mich dieser Qualitäts-Hype um deutsche Autos ganz schön, auch wenn ich sicher deutsche Autos zur Weltspitze rechne und die Bedeutung dieser Industrie für unsere Wirtschaft kenne und schätze. Aber ganz ehrlich – glaubt ihr nicht manchmal auch, dass Begriffe wie „Haptik“ nur erfunden wurden, um das Interieur von Audi zu beschreiben? Fantastische Haptik hier, unerreichte Haptik da. Da wird über die Griffigkeit, Optik und Präzision eines Knopfes bei Audi so berichtet, als ginge es um ein lebenserhaltendes Feinwerkzeug in der Chirurgie.

Sicher und geborgen

Also: Beide Audis fuhren sich sehr gut, die Straßenlage ist souverän und sicher, es gibt keine deutliche Tendenz zum Unter- oder Übersteuern, und ein normaler Fahrer wird die Grenzbereiche kaum ausloten können. Das Cabrio hat mit seinen etwas über 200 PS natürlich eine sportliche Note, besonders wenn man den Sport-Fahrmodus der Automatik aktiviert. Die Beschleunigung 0-100 ist mit etwas mehr als 6 Sekunden angegeben und daran würde ich auch – ohne es selbst gemessen zu haben – gefühlsmäßig nicht zweifeln. Aber: Wenn du diesen Audi mit einem 200-PS-starken Alfa Romeo vergleichst, ist der Italiener das mit Abstand fahraktivere Auto mit besserer Beschleunigung und fühlt sich immer leichtfüßiger und agiler an. Aber gut, ich als bekennender Alfisto bin da sicher sehr subjektiv. Ich fand, dass bei meinen Audis die Reaktionen aufs Gaspedal einen kleinen Touch zu viel Verzögerung hatten und es sich ein wenig wie ein beschleunigendes Sofa anfühlte.

Dafür sind die Langstrecken-Qualitäten des 4-sitzigen Cabrios über jeden Zweifel erhaben. Ich habe damit mehrmals Strecken von rund 1.500 km am Stück zurückgelegt und konnte mich nie über Rückenschmerzen oder verkrampfte Gliedmaßen beschweren. Ebenfalls fantastisch und sehr reisetauglich ist der Kofferraum: selbst bei geöffnetem Dach lassen sich bequem große Gepäckstücke oder mehrere Wasser-Kästen verstauen. Insofern kann ich hier wirklich volle Punktzahl geben.

Abstriche an der Qualität

Nicht ganz so euphorisch würde ich die Qualität in einigen der Details beurteilen, die dem Image und Preis dieser Audis entsprechen sollten. Als da wären:

  • Das Infotainment System inkl. Navigation ist sehr gut, aber manchmal lädt es viel zu lange bei Start des Motors. Da sitzt man da etwas verloren herum und wartet, dass man endlich ein Ziel eingeben oder das Telefon benutzen kann.
  • Bei dem zweiten Audi begann nach wenigen Monaten die schwarze Kunststoffbeschichtung im Kühlergrill abzublättern. Ob das an Steinschlag lag, kann ich schlecht sagen, aber es darf eigentlich nicht passieren. Und wenn einmal eine Stelle abgeplatzt ist, vergrößern sich die Löcher natürlich fortlaufend.
  • Die silberfarbene Beschichtung auf dem Schalter in der Mittelkonsole zum gleichzeigen Öffnen aller vier Seitenscheiben fing nach 2 Jahren an abzublättern. Und wie ihr euch vorstellen könnt, sicher nicht durch übermäßige Beanspruchung. Ich habe das gemerkt, als ich plötzlich ein kleines Silberpartikel im Finger stecken hatte… das ist also ein ganz klares No-Go für die so vielgelobte Haptik.
  • Unter dem Fahrersitz wurde ein Schaumstoff verbaut, der sich über die Zeit aufzulösen begann, so dass ich dauernd frische Schaumstoff-Brösel an meinen Füssen hatte.
  • Der Fahrersitz hat eine Mechanik, die sicherstellt, dass er wieder an seiner ursprünglichen Stelle einrastet, nachdem man ihn nach vorne geschoben hat, um Passagieren das Einsteigen auf den Rücksitzen zu ermöglichen. Leider hat diese Mechanik auf der Beifahrerseite nicht funktioniert, so dass man jedes Mal den Beifahrersitz neu einstellen musste, wenn jemand hinten rechts einstieg.

Ich hatte auch den Eindruck, dass die Qualität des zweiten Audis schlechter geworden war als beim ersten. Alle oben beschriebenen Probleme – außer der langen Ladezeit für das Infotainment System – traten beim zweiten Cabrio auf.

Wenn ich das mal ausblende, bleibt natürlich ein sehr gutes Fahrzeug, bei dem sehr gute Materialien wirklich ordentlich verarbeitet wurden. Es hat Spaß gemacht, beide Autos über die ganzen Jahre regelmäßig zu bewegen und der Abschied fiel nicht leicht. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Trend der schwächelnden Qualität in manchen Details nicht fortsetzt.

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