August 2019: Drei Wochen Rundreise durch Florida: Key West, Everglades, Orlando, Daytona Beach, Miami – Sonne, Abenteuer, Strand und MickeyMouse. Alles scheint perfekt – und dann das: der Mietwagen ist ein Chevrolet.

Aber halt halt! Es ist nicht alles schlecht, was heute von amerikanischen Autokonzernen auf die Straße gestellt wird. Und so hatte ich immerhin Gelegenheit, drei Wochen lang ausführlich dieses Fahrzeug, ein Chevrolet Equinox, zu testen. Und kann Euch hier einen Testbericht präsentieren, der so – zumindest für europäische Leser – nicht alltäglich ist.

Wer kennt schon einen Chevrolet Equinox?! Bei diesem Modell handelt es sich um einen SUV mittlerer Größe, eine Stufe über einem Opel Mokka. Und die frühere Verwandtschaft zu unserem ehemals deutschen Ableger des GM-Konzerns ist auch an vielen Details zu erkennen, am markantesten wohl an der eher mittelmäßigen Automatikschaltung, bei der die unterste Stufe, noch unterhalb von D(rive), den manuellen Schaltmodus darstellt, den man laufend aus Versehen einlegt und eigentlich nie braucht. Ein echtes Beispiel für vermurkste „User Experience“, mit der sich Opel-Fahrer auch heute noch regelmäßig herumschlagen müssen.

Aber fangen wir zunächst bei den positiven Eigenschaften an, denn unbestritten verfügt der Equinox auch über derartige. Da fällt zunächst der ruhige Geradeauslauf auf – und Kenner der US-Autoszene werden sofort verstehen, dass dies ein ernst gemeinter Punkt und keinesfalls selbstverständlich ist. Überhaupt liegt das Fahrzeug gut und stabil auf der Straße, die Straßenlage ist auch in moderat gefahrenen Kurven angenehm und unaufgeregt. Natürlich ist der Chevrolet kein Kurvenräuber, das wüsste in den USA auch kaum jemand zu schätzen – und seien wir ehrlich, auch mit einem Opel Mokka würde niemand in halsbrecherischem Tempo einen Alpenpass hinunter rasen. Also alles in allem eine akzeptable Straßenlage ohne Ambitionen auf Grenzerfahrungen.

Ebenfalls angenehm überrascht war ich von den Materialien und der Verarbeitung des Innenraums. Das Plastik – pardon, den Kunststoff – gibt es in anderen Fahrzeugen sicher schlechter und billiger, zudem passen alle Spaltmaße, Fugen und Verbindungen. Nichts klappert oder scheppert, Knöpfe und Schalter fassen sich solide an, die Haptik ist echt in Ordnung. Auch die Sitze bieten genügend Halt für typische amerikanische Straßen und sind auch für lange Strecken kein Problem. Was wir leider nicht testen können ist das Navi, weil es von der Mietwagenfirma aus leicht durchschaubaren Motiven deaktiviert wurde. Das Kommunikationssystem ist sonst wie man es erwartet, der mittige Bildschirm verfügt über Touch und birgt wenig Rätsel.

Unsere Fahrzeugfarbe finde ich ganz schick und wundere mich nicht, dass sie recht häufig bei diesem Modell auf den Straßen zu sehen ist. Das Chrom am Kühlergrill und an anderen Stellen tut sein Übriges, um den Amerikaner optisch zu veredeln. Die äußere Form dagegen wirkt auf mich etwas sperrig wegen der seltsam geformten hintersten Seitenscheiben, BMW X3 Fahrer wissen wovon ich spreche. Aber bestimmt gibt es Käufer, die das für avantgardistisch oder europäisch oder beides halten. Im Innenraum ist für 4 Personen ausreichend Platz, auch die fünfte Person kommt noch passabel unter. Der Kofferraum ist der Fahrzeugklasse entsprechend reichlich, auch wenn sich die Rückenlehne der hinteren Sitzreihe leider nicht geteilt umlegen lässt.

Dass der Chevy nicht so schlecht abschneidet ist besonders bemerkenswert, weil Chevrolet so etwas wie die Billig-Marke im GM-Konzern ist; das Auto, das sich jeder leisten können soll, und das man aus älteren Filmen als das Auto kennt, bei dem immer irgendwo etwas wackelt und quietscht. Hier haben die Amerikaner in den letzten 20 Jahren also deutlich nachgebessert. Es kann aber auch daran liegen, dass mein Mietwagen in Kanada produziert wurde, wie mir ein Schild an der Fahrertüre stolz versichert.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren: