Vor ein paar Wochen war ich wieder bei der Retro Classics in Stuttgart und habe mich dabei ertappt, wie ich diese Oldtimer Nabelschau immer wieder und unter allen möglichen Gesichtspunkten mit der Techno Classica in Essen vergleiche.

Letztere ist die angeblich weltweit größte Klassikermesse überhaupt – und wer sie schon einmal besucht hat, kann das durchaus glauben. Im Vergleich dazu ist das Stuttgarter Pendant aber nicht wirklich nennenswert kleiner, und es stellt sich die Frage, was ist hier anders als dort, und muss man wirklich beide Messen gesehen haben. Was gibt einem die eine, was man auf der anderen nicht finden kann?

Im direkten Vergleich fällt zunächst auf, dass die Mehrzahl der ausgestellten Fahrzeuge bei der Retro Classics zum Verkauf angeboten wird. Die Messe setzt also einen klaren Schwerpunkt auf das Thema Marktplatz, während es in Essen neben den dedizierten Verkaufshallen auch große bis gigantische Präsentationen diverser Hersteller gibt, die nur sich selbst, ihre Geschichte und ihren Bezug zum Thema Oldtimer vorstellen möchten. Hier wetteifern Volkswagen, Mercedes und BMW jedes Jahr um den Titel des eindrucksvollsten Standes, ohne tatsächlich dort Autos verkaufen zu wollen. Derartige Hersteller-Schaufenster findet man wiederum in Stuttgart nicht.

Auch wirkt die Messe in der Schwaben-Metropole etwas weniger international. Unter den vielen Ausstellern gibt es nur wenige Italiener und Niederländer, sonst kaum ausländische Anbieter. Und auch bei den Besuchern lässt sich ein eindeutig regionaler Schwerpunkt feststellen. Wer des Schwäbischen nicht mächtig ist, könnte sich über die wirklich große Gruppe von „Ausländern“ mit komischem Idiom wundern, aber ich als ehemaliger Wahl-Schwabe falle auf diesen Trick natürlich nicht herein. Im Vergleich dazu scheint die Techno Classica einen größeren geographischen Einzugsradius zu haben, dort tummeln sich neben Niederländern und Italienern auch sehr viele Briten, Amerikaner, Franzosen und andere europäische Nationalitäten. Auch das Angebot an Fahrzeugen ist in Essen eine kleine Spur vielfältiger und nicht so deutlich von deutschen Fabrikaten dominiert, wie es in Stuttgart der Fall ist.

Bei beiden Messen ist mir in den vergangenen Jahren auch aufgefallen, dass es nur noch sehr wenige englische Exponate gibt, aber auch die Italiener sind – zu meinem große Bedauern – auf dem absteigenden Ast. Zumindest wenn man den extrem hochpreisigen Sektor ausklammert, der solchen Trends offenbar weniger ausgesetzt ist.

Am Ende ist es natürlich eine Geschmacksfrage, ob man eine, beide oder keine dieser Messen besuchen möchte – oder lieber eine der vielen anderen, meist kleineren Veranstaltungen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Mein persönlicher Favorit ist auf jeden Fall die Techno Classica, zumindest gilt ein Schwabe dort als internationaler Gast.

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