Der Himmel über Leipzig ist wolkenverhangen, es sieht nach Regen aus. Auf dem riesigen Gelände des Porschewerks Leipzig wirbelt der Wind Staub und Sand von nahegelegenen Felder auf. Davon unbeeindruckt und voller Tatendrang steigen wir aus dem Taxi und suchen den Weg zum Empfang des Besucherzentrums. Denn heute ist der große Tag der Werksabholung: Unser neuer Cayenne ist bereit für Straße und wartet sicher schon ungeduldig auf seine neuen Besitzer.

Der erste Punkt auf der Tagesordnung sieht dann auch schon die Übernahme des Fahrzeuges vor. Meine Frau und ich werden in einen abgeschiedenen Bereich geführt, wo uns ein Instruktor in aller Ruhe das Fahrzeug vorstellt und uns mit diversen Einzelheiten vertraut macht. Besonders das verbesserte und neu gestaltete Infotainment System ist sehr erklärungsbedürftig, so dass wir über eine halbe Stunde alleine damit verbringen. Der Mitarbeiter nimmt sich viel Zeit und vermittelt durchweg ein hohes Maß an Kompetenz. Diese ersten Eindrücke nehmen wir dann, nachdem die offizielle Übernahme abgeschlossen ist und der Cayenne für uns auf den Parkplatz vor dem Gebäude gebracht wird, mit in das Restaurant, das auf einer oberen Etage im Besucherzentrum untergebracht ist. Bei einem herrlichen Blick über das gesamte Gelände einschließlich der zertifizierten Rennstrecke genießen wir ein ausgezeichnetes Mittagessen. Die Atmosphäre ist, wie überall im Gebäude, sehr modern, großzügig und luftig. Das Essen schmeckt hervorragend und wird dem Anspruch an eine Premium-Marke durchaus gerecht, selbst die Prägung auf der Butter ist in Form eines 911ers gestaltet. Zur Verdauung drehen wir anschließend eine kleine Runde durch die nebenan liegende Ausstellung von seltenen und besonders interessanten Porsche-Fahrzeugen aus den letzten Jahrzehnten.

Um dann, wohlgenährt und gut gelaunt, mit dem Programm weiter zu machen. Dieses sieht zunächst eine Geländefahrt mit einem baugleichen Fahrzeug vor. Dementsprechend steht ein großer Fuhrpark mit sämtlichen Cayenne, Macan und Panamera Modellen zur Verfügung. Und eigens dafür wurde auf dem Gelände ein großer Parcours mit Hügeln, schrägen Wegen, Wasserfährten und unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten wie Steine, Kiesel oder Holzspähne angelegt. Der Instruktor sitzt zunächst selbst am Steuer, während wir als Beifahrer herausfinden, wo und wie man sich im Fahrzeug gut festhalten kann. Er führt eindrucksvoll vor, wie viel Geländewagen tatsächlich in dem Cayenne steckt. Und das ist definitiv mehr, als man denkt – und wozu man das Auto auch selbst nutzen möchte. Der Cayenne verträgt bedenkliche Steillagen und kann auf so ziemlich jedem Untergrund seinen Weg finden dank variablem Vierradantrieb und diversen Helferlein. Anschließend findet ein Fahrerwechsel statt, und wir versuchen unser Glück. Ich kann nur sagen, dass ich derartige Fahrversuche niemals ohne das Vertrauen-einflößende Kopfnicken eines Instruktors (und sicher nicht mit meinem eigenen Fahrzeug) machen würde.

Gut durchgeschüttelt kommen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt: die Rennstrecke. Auch hier legt zunächst der Profi vor, danach setze ich mich hinter das Lenkrad, während meine Frau vorsorglich aussteigt. Ich drehe meine erste Runde auf der Strecke und reize dabei – gefühlt – das Fahrzeug schon ganz gut aus. Werde aber in der nächsten Runde eines besseren belehrt, als der Fahrlehrer neben mir nun präzise Anweisungen gibt. Diese lauten meistens: Fuß aufs Gas, fest durchtreten, nicht bremsen. Während ich sicher bin, dass die Physik den Cayenne nicht um die nächste Kurve bringen kann, sorgt das Porsche Stabilitätsprogramm aber genau dafür. Durch blitzschnelles Verteilen der Antriebskräfte auf die einzelnen Räder zieht das Fahrzeug wie auf Schienen durch jede Kurve. Das alles ist wirklich beeindruckend, schließlich sitzen wir nicht in einem Rennwagen. Aber irgendwie gewinnt man doch genau diesen Eindruck, und es ist eben das, was den Porsche so einzigartig macht: Die Kombination aus Geländefahrzeug und Rennwagen, die kein fauler Kompromiss ist, sondern in beiden Disziplinen glänzt.

Zum Abschluss gibt es dann noch eine Werksführung durch einen kleinen Teil der riesigen Hallen. Heute werden in Leipzig nur noch Macan und Panamera hergestellt, die Produktion des Cayenne wurde Anfang 2018 vollständig in die Slowakei verlagert. Wir erfahren einiges über die Automobilproduktion im Allgemeinen und über die Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Porsche im Speziellen. Die Hallen wirken allesamt klinisch sauber, hell und sehr gut organisiert. Nichts erinnert an historische Bilder von alten, gammeligen Fabrikhallen und schmuddeligen Arbeitern. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie in einem solchen Ambiente hochwertigste Produkte entstehen.

Am späten Nachmittag ist das Programm beendet, wir verstauen unsere obligatorischen Einkäufe aus dem Porsche Shop in unserem neuen Cayenne und treten die 500 Kilometer Heimreise an. Und freuen uns auf die nächste Werksabholung, dann vielleicht in Bratislava?

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